BGH: Zahnzusatzversicherung muss kranke Zähne nicht versichern

Wer mit Zahnschmerzen zum Arzt geht, muss nicht nur unangenehme Behandlungen, sondern auch hohe Rechnungen einkalkulieren. Umso länger der Besuch aufgeschoben wird, desto schlimmer kann die Diagnose für Mund und Portemonnaie ausfallen. Vorsorgen ist besser als Nachsorgen, ist auch bei der Zahnfürsorge ein gutes Prinzip. Die oberste juristische Instanz in Deutschland bestätigte nun die Praxis vieler Zahnversicherer, nach dem nur neue Zahndiagnosen versichert werden können.

Kunden, die eine neue Zahnzusatzversicherung abschließen möchten, sollten die beiden Urteile des Bundesgerichtshofes kennen. Demnach muss eine Versicherung die Kosten für eine Zahnbehandlung nicht erstatten, wenn diese bereits vor Vertragsabschluss begonnen hat. Etwas anders sieht das Gericht die Lage, wenn vor Versicherungsbeginn lediglich eine umfassende zahnärztliche Beratung stattgefunden hat. Im ersten Fall (Az. 12 U 153/12) hatte ein Kläger im April 2009 seine Zahnärztin aufgesucht, um eine Behandlung wegen eines Eiterherdes im Oberkiefer zu beginnen. Außerdem fand während des Zahnarztbesuches eine Beratung wegen Zahnersatz insbesondere Implantaten statt. Anschließend schloss der Kläger eine Zahnzusatzversicherung ab. Nach einer Wartezeit von acht Monaten ließ er sich im Frühjahr 2010 Implantate einsetzen – die Übernahme der Gesamtkosten von 25.000 Euro wurde von der Versicherung jedoch verweigert. Zu Recht, wie das BGH urteilte. Denn die Behandlung hatte schon vor Versicherungsbeginn begonnen. Im zweiten Fall (Az. 12 U 127/12) ließ der Kläger eine Röntgenaufnahme anfertigen und unterzog sich einer Parodontose-Behandlung, nach Auffassung des Zahnarztes lag jedoch kein Behandlungsbedarf vor. 2011 wurden dennoch Implantate eingesetzt, bereits 2008 hatte der Kläger eine Versicherung abgeschlossen. Auch hier verweigerte die Versicherung die Zahlung – aber zu Unrecht.

Versicherungsbedingungen genau durchlesen

Wer sich zusätzlich absichern möchte, sollte dies also frühestmöglich tun, um sich vor hohen Kosten zu schützen. Hinzu kommt, dass in jungen Versicherungsjahren die Wartezeiten nicht zum Problem werden können. Diese sollen sicherstellen, dass Kunden teure Behandlungen nicht zulasten des Versicherers durchführen lassen. Während der allgemeinen Wartezeit werden die Kosten für kleinere Behandlungen nicht erstattet, während der besonderen Sperrfrist sind teure kieferorthopädische Behandlungen oder Zahnersatz von der Erstattung ausgeschlossen. Bei vielen Versicherern gelten zudem Leistungsgrenzen in den ersten Beitragsjahren. Doch auch die Versicherungsbedingungen selbst sollten genau unter die Lupe genommen werden. Fehlen im Antrag wichtige Angaben, kann die Versicherung den Ausschluss des Schutzes auch nachträglich noch vornehmen. Vor Versicherungsbeginn sollte daher ein zahnärztliches Gutachten erstellt werden. Ein Vorteil eines solchen Gutachtens: Sind die Zähne tadellos in Schuss, kann der Versicherer die Wartezeit erlassen. Eine Ausnahme zum Vorsorgeprinzip bilden sogenannte Nachsorgepolicen, wie sie von der ERGO Direkt-Versicherung angeboten werden. Hier greift der Versicherungsschutz auch dann, wenn die Behandlung bereits begonnen wurde. Hier müssen Kunden jedoch höhere Prämien bezahlen, zudem müssen sich Kunden mindestens zwei Jahre festlegen.