Gratis-Zahnspangen in Österreich geplant

Deutsche Krankenversicherte sind Kummer gewöhnt, die Leistungen werden seit Jahren stetig weiter eingeschränkt. So ist etwa die Kostenübernahme bei Zahnspangen seit 2002 erheblich limitiert worden, nicht mehr jede Zahnkorrektur wird von den GKV bezahlt. Anders in Österreich, hier dürfen sich Eltern freuen, denn die neu gewählte Regierung plant kostenlose Zahnspangen für Kinder und Jugendliche.

Nachdem die Sozialdemokratische Partei Österreichs (SPÖ) die letzte Nationalratswahl für sich entscheiden konnte, kündigte Gesundheitsminister Alois Stöger die Gratis-Zahnspange an. Beginnend mit dem Juli 2015 sollen Zahnspangen für Kinder und Jugendliche kostenlos sein. Zunächst sollen 28.000 Kinder und Jugendliche eine solche Zahnspange erhalten, die Kosten werden vollständig von der Krankenkasse übernommen. Dabei soll sich die Vergabe an der internationalen IOTN-Klassifizierung orientieren, nur Patienten, die alle Kriterien der Stufen vier und fünf erfüllen, sollen die Gratis-Zahnspange erhalten. In diesen Bereich fallen etwa Kreuz- oder Überbisse. Insgesamt 80 Millionen Euro sind für das Vorhaben eingeplant. Nach Schätzungen des österreichischen Gesundheitsministeriums tragen derzeit etwa 100.000 Jugendliche eine Zahnspange. Bereits im September 2013 hatte Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos betont, dass eine gute Gesundheitsversorgung nicht vom Einkommen abhängig sein dürfe. Erklärtes Ziel: die Bekämpfung der Zwei-Klassen-Medizin. Im Rahmen der neu vorgestellten Gesundheitspläne erläuterte Arzt Prof. Dr. Siegfried Meryn erneut die Vorteile einer Zahnspange für die Zahngesundheit. Demnach können Zahnfehlstellungen im Kindesalter nicht nur zu Karies, sondern auch zu Verspannungen und chronischen Kopfschmerzen führen.

Kostenerstattung in Deutschland nur bei medizinischer Indikation

Auch viele deutsche Kinder brauchen eine Zahnspange, Zahnfehlstellungen nehmen seit Jahren zu. Wenn sich die Zähne infolge von Zähneknirschen oder Daumenlutschen verformen, ist das nicht nur ein optisches Problem. Werden die Fehlstellungen nicht behoben, stellen sich Kau- und Sprechstörungen ein. Eltern, die bei ihrem Kind eine solche Fehlstellung feststellen, sollten schnell handeln, denn die GKV bezahlen nur, wenn die Behandlung vor dem 18. Lebensjahr begonnen wird. Hinzu kommt, dass die Kosten nur dann getragen werden, wenn eine medizinische Notwendigkeit festgestellt wird. Diese wird anhand der kieferorthopädischen Indikationsgruppen (KIG) ermittelt, erst ab der dritten Stufe werden die Kosten übernommen. Bei Erwachsenen entfällt die Erstattung, auch Zusatzleistungen bei Kindern müssen privat bezahlt werden. Dazu gehören etwa Spangen, die komfortabler zu tragen sind oder ästhetischer aussehen. Eltern stecken in einem Dilemma, sie wollen zwar die beste medizinische Versorgung für ihr Kind, eine Zahnspange kann jedoch mehrere Tausend Euro kosten. Nicht nur die Stiftung Warentest rät daher, eine Zahnzusatzversicherung für das Kind abzuschließen; dies sollte am besten im Kindergartenalter geschehen. Je nach Umfang der Leistungen kostet die Prämie für Fünfjährige zwischen vier und 12 Euro im Monat.