Ratgeber Zahnersatz

Ratgeber Zahnersatz

Herzhaft lachen, kräftig zubeißen oder sprechen – die Zähne erfüllen zahlreiche wichtige Funktionen. Mit steigendem Alter leidet die Zahnsubstanz. Aber selbst bei sorgfältigster Zahnhygiene ist niemand vor einem Zahnverlust gefeit. Schwangerschaft oder eine zuckerreiche Ernährung begünstigen Zahnerkrankungen, auch ein Unfall kann dazu führen, dass es zu einer Lücke im Gebiss kommt. Mithilfe moderner Verfahren kann nicht nur ein ästhetisches Gesamtergebnis, sondern auch die volle Funktionalität wieder hergestellt werden. Wird eine Lücke aber nicht wieder geschlossen, drohen ernste Folgeschäden wie Zahnkippungen und -wanderungen, Knochenabbau und Beschwerden im Kiefergelenk. In Abhängigkeit vom Zahnzustand, der Knochensubstanz und möglicher Unverträglichkeiten hat der Zahnarzt verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um die Kaufunktion zuverlässig wiederherzustellen. Alle Maßnahmen, die zur Herstellung und Versorgung mit Zahnersatz nötig sind, werden unter dem Begriff der Prothetik zusammengefasst.

Festsitzender vs. herausnehmbarer Zahnersatz: Vor- und Nachteile

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen festsitzendem und herausnehmbarem Zahnersatz. Auch eine Kombination aus beiden Varianten ist denkbar.

  • Implantate

Sie bestehen aus einem mehrteiligen Aufbau. Zuerst wird ein Metallstift, meist aus Titan in den Kiefer eingesetzt. Für diesen Behandlungsschritt ist eine kleine Operation unter Vollnarkose erforderlich. Auf diese Basis wird die sogenannte Suprakonstruktion aufgesetzt, zu der auch der eigentliche Zahnersatz wie Krone oder Brücke gehört. Die künstlichen Zahnwurzeln können nur eingesetzt werden, wenn der Kieferknochen stabil ist und dem Aufbau genügend Halt bieten kann. Ist nicht mehr genügend Knochensubstanz vorhanden, kann der Kiefer mit eigenem Knochenmaterial aus dem Becken oder Rinderknochen aufgebaut werden. Aufgrund der Verankerung im Kieferknochen ermöglichen Implantate einen sehr hohen Tragekomfort, sie fühlen sich wie echte Zähne an und stören nicht beim Kauen oder Sprechen. Da sie nicht an anderen Zähnen befestigt sind, werden gesunde Zähne und Implantat gleichmäßig belastet, ein Knochenabbau droht nicht. Eine spezielle Pflege ist nicht nötig, sie können normal mit Zahnbürste und Zahnpasta gereinigt werden, bei optimaler Pflege halten Implantate bis zu 20 Jahre. Von Nachteil sind einerseits die hohen Kosten sowie die lange Heilungsdauer von bis zu sechs Monaten. Bei bestimmten Vorerkrankungen etwa Diabetes muss die Heilung besonders genau überwacht werden, damit es nicht zu Infektionen kommt.

  • Kronen und Brücken

Auch Teil- und Vollkronen sowie fest verankerte Brücken gehören zum festen Zahnersatz. Eine Krone ersetzt den Zahn nicht, sondern rekonstruiert oder stabilisiert ihn. Wenn eine Füllung oder ein Inlay nicht mehr ausreicht, erhält der Zahn ein neues Dach oder eine Teilverkronung. Kronen sind hier die schonendere Methode, der Zahn kann erhalten werden, muss aber abgeschliffen werden, um die Krone halten zu können. Mit Abguss kann die Krone passgenau auf den Zahn abgestimmt werden. Anfangs kann ein Fremdkörpergefühl entstehen, das jedoch schnell wieder vergeht. Brücken werden eingesetzt, wenn größere Lücken im Gebiss vorhanden sind, die jeweils benachbarten Zähne (Pfeilerzähne) werden hierbei angeschliffen, die Zahnsubstanz leidet. Ein weiterer Nachteil von Kronen und Brücken ist die langsame Zurückbildung des Zahnfleisches. Wenn die Zahnhälse der Pfeilerzähne freiliegen, erhöht sich das Kariesrisiko, nach spätestens zehn bis 15 Jahren muss der Zahnersatz ausgetauscht werden. Auch ein Knochenabbau ist möglich. Sind Krone und Brücke nicht gut angepasst, kommt es außerdem zu ungleichmäßigen Belastungen des Kiefers, der Verlust des Zahnersatzes droht. Die Pflege ist nicht aufwendiger als bei gesunden Zähnen, es empfiehlt sich jedoch die Verwendung von Interdentalbürsten und Zahnseide. Einschränkungen beim Kauen oder Sprechen sind mit Kronen und Brücken in der Regel nicht zu befürchten.

  • Teil- und Vollprothesen

Beide Varianten werden zum herausnehmbaren Zahnersatz gezählt. Je nachdem, wie viele Zähne im Ober- und Unterkiefer noch vorhanden sind, kommen Teil- oder Vollprothesen zum Tragen. Teilprothesen werden eingesetzt, wenn nicht mehr genügend Zähne für eine Brücke vorhanden sind. Bei ihnen bleibt der vordere Gaumenbereich frei, das Sprechen oder das Geschmacksempfinden werden nicht oder nur kaum beeinträchtigt. Herausnehmbare Teilprothesen werden mithilfe von Klammern am Gaumen befestigt, langfristigere Lösungen sind mit einer Modellgussprothese denkbar. Sind keine Zähne mehr vorhanden, muss eine Vollprothese (Gebiss) eingesetzt werden. Der Zahnersatz saugt sich an der Mundschleimhaut fest und hält nur durch den Unterdruck im Mund, Haftcreme kann die Stabilität positiv beeinflussen. Da die Prothese den gesamten Gaumen bedeckt, ist das Sprechen sowie das Geschmacksempfinden oft beeinträchtigt. Zudem stellt sich ein Fremdkörpergefühl ein. Werden Prothesen nicht gut eingepasst, können sie sich schnell lösen. Sie erfordern außerdem regelmäßige Zahnarztbesuche, der Mediziner muss den Sitz der Prothese und den Zustand des Kieferknochens überprüfen. Da die Zähne bei einer Prothese nur ungleichmäßig belastet werden, bildet sich der Kieferknochen langsam zurück. Ein weiterer Nachteil liegt im Pflegeaufwand, Prothesen erfordern spezielle Pflegeprodukte wie etwa antibakterielle Spüllösungen. Wird die Pflege vernachlässigt, wird die Haltbarkeit des Zahnersatzes verkürzt.

Verträgliche Materialien mit langer Haltbarkeit

Jegliche Art des Zahnersatzes erfordert eine gute Planung und Beratung seitens des Zahnarztes. Ihr Arzt sollte Ihnen die Vor- und Nachteile verschiedener Werkstoffe erklären und nach Unverträglichkeiten oder Allergien fragen. Die Regelversorgung der GKV für Kronen und Brücken umfasst in der Regel die Versorgung mit NEM-Legierungen, also Mischungen aus Nichtedelmetallen wie Chrom oder Molybdän. Sie sind zwar sehr preiswert, halten jedoch nicht sehr lange und weisen eine harte Oberfläche auf. Immer öfter werden auch Zirkoniumdioxid oder Zirkonoxid eingesetzt. Sie bilden das Gerüst für Kronen, über die eine Keramikmasse gegossen wird. Aber auch Vollkeramikkronen sind möglich, sie ähneln dem gesunden Zahn mehr, jedoch sind diese weniger stabil als Kronen mit Metallgerüst. Noch bessere mechanische Eigenschaften weisen Gold-Platin-Legierungen auf. Gold besitzt außerdem gute antibakterielle Eigenschaften und ist sehr korrosionsbeständig. Besonders verträglich ist Titan. Für Prothesenzähne kommen in der Regel Kunststoffe zum Einsatz. Zahnfarbene Verblendungen aus Keramik oder Porzellan sind für hinten liegende Zähne in der Regel nicht vorgesehen, Patienten, die diese optisch ansprechendere Lösung wünschen, müssen diese aus eigener Tasche bezahlen.

Kosten für Zahnersatz

Seit dem Jahr 2005 erhält jeder gesetzlich Versicherte einen befundbasierten Festzuschuss zu seinem Zahnersatz. Grundlage bildet der Heil- und Kostenplan (HKP), der vom Zahnarzt erstellt wird. Wird er bei der Krankenkasse eingereicht, wird der Festzuschuss bewilligt. Jedoch wird nur die Mindestversorgung übernommen, das sind maximal 65 Prozent der Zahnarztrechnung. Der doppelte Festzuschuss kann gewährt werden, wenn ein Härtefall vorliegt. Möchten Sie hochwertigere oder verträglichere Materialien oder ästhetischere Lösungen, müssen Sie die Differenz zwischen Festzuschuss und Zahnarztrechnung selbst bezahlen, eine Zahnzusatzversicherung ist hier ein wertvolles Instrument, um hohe Kosten zu sparen. Dabei umfasst die Zahnarztrechnung nicht nur die Material- und Laborkosten, sondern auch das Honorar für den Arzt. Berechnet der Zahnarzt einen 3,5-fachen Satz, können die Kosten um 50 Prozent höher ausfallen. Am teuersten sind Implantate, der Eigenanteil eines Einzelzahnimplantats kann bis zu 3.000 Euro betragen. Etwas günstiger sind festsitzende Brücken, abhängig von der Art der Versorgung beträgt der Eigenanteil hier zwischen 800 und 1.300 Euro. Bei einfachen Prothesen beträgt der Eigenanteil etwa 500 bis 900 Euro. Eine Metallkrone kostet zwischen 100 und 300 Euro ohne Festzuschuss.

So finden Sie den richtigen Zahnersatz

  • Lassen Sie sich von verschiedenen Zahnärzten beraten. Im Idealfall kann die Zahnsubstanz erhalten werden. Kronen sind aus Sicht des Tragekomforts besser als Brücken, Brücken besser als Teilprothesen.
  • Analysieren Sie Ihre Ansprüche. Genügt Ihnen die Mindestversorgung der GKV? Arbeiten Sie in einem Beruf mit Kundenkontakt oder sind noch sehr jung, sollten Sie sich für hochwertigere Lösungen entscheiden. Diese sehen ästhetischer aus und beeinträchtigen auf Dauer den Kieferknochen nicht so stark.
  • Nicht nur bei Füllungen und Inlays spielt die Verträglichkeit eine Rolle. Auch bei festsitzendem und herausnehmbarem Zahnersatz sollten Sie auf gut verträgliche und haltbare Werkstoffe setzen. Mit Anzahl der verwendeten Materialien steigt das Risiko einer allergischen Reaktion.
  • Um Geld zu sparen, sollten Sie sich verschiedene Heil- und Kostenpläne erstellen lassen. Fragen Sie vorher nach, ob dies mit einer Gebühr verbunden ist. Auch mit Zahnersatz aus dem Ausland lässt sich Geld einsparen, bei der Kalkulation sollten Sie hier jedoch Nachsorgetermine nicht vergessen.

Wenn Sie eine Zahnzusatzversicherung abschließen, sollten Sie besonderen Wert auf das Erstattungsmodell legen. Die Erstattung muss unabhängig vom Festzuschuss geleistet werden. Mindestens 70 Prozent der Gesamtrechnung sollten übernommen werden. Bereits kranke Zähne, die behandelt werden müssen, sind bei Vertragsabschluss nicht versichert.